Arbeitsrecht

Arbeitsvertrag Vorlage Schweiz 2026: kostenloser Download, Pflichtangaben und häufige Fehler

In der Schweiz ist ein Arbeitsvertrag zwar auch mündlich gültig — aber ein schriftlicher Vertrag schützt beide Seiten erheblich besser. Dieser Leitfaden zeigt, welche Angaben gesetzlich verlangt sind (OR Art. 320 ff.), welche freiwilligen Klauseln sinnvoll sind und welche Fehler einen Vertrag unwirksam machen oder zu Streit führen.

Ist ein schriftlicher Arbeitsvertrag in der Schweiz Pflicht?

Das Obligationenrecht (OR) schreibt für den einfachen Einzelarbeitsvertrag keine Schriftform vor. Ein Arbeitsvertrag kann auch mündlich oder durch konkludentes Handeln (Antritt der Arbeit) zustande kommen. Jedoch verpflichtet OR Art. 330b den Arbeitgeber, dem Arbeitnehmer spätestens einen Monat nach Beginn des Arbeitsverhältnisses die wesentlichen Punkte schriftlich zu bestätigen.

Für bestimmte Vertragstypen ist Schriftlichkeit hingegen gesetzlich vorgeschrieben:

  • Lehrvertrag (Berufsbildungsgesetz)
  • Befristeter Vertrag mit Verlängerungsoption
  • Handelsreisende-Vertrag
  • Verträge mit Konkurrenzverbot

Pflichtangaben im Arbeitsvertrag Schweiz 2026 (OR Art. 330b)

PflichtangabeErläuterung
Namen der ParteienVor- und Nachname Arbeitnehmer, Firma oder Name Arbeitgeber
Beginn des ArbeitsverhältnissesEintrittsdatum
Funktion/AufgabenBeschreibung der Tätigkeit oder Stellenbezeichnung
Lohn und LohnnebenleistungenBruttolohn, Anteil 13. Monatslohn, Spesen, Boni falls relevant
ArbeitszeitWöchentliche oder monatliche Arbeitszeit in Stunden
KündigungsfristenGesetzliche Minimalfristen oder vereinbarte längere Fristen

Vorlage: Die wichtigsten Klauseln im Überblick

1. Probezeit (OR Art. 335b)

Die gesetzliche Probezeit beträgt einen Monat. Sie kann vertraglich auf maximal drei Monate verlängert werden. Während der Probezeit kann das Arbeitsverhältnis mit einer Kündigungsfrist von 7 Tagen aufgelöst werden — an jedem Arbeitstag.

Empfohlene Klausel: "Die Probezeit beträgt [1–3] Monate. Während dieser Zeit kann das Arbeitsverhältnis von beiden Parteien mit einer Frist von 7 Tagen auf jeden Werktag hin aufgelöst werden."

2. Lohn und 13. Monatslohn

Der 13. Monatslohn ist in der Schweiz nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber in vielen Branchen (via GAV) üblich und oft faktisch erwartet. Wenn ein 13. Monatslohn gewährt wird, muss dies im Vertrag geregelt sein (Fälligkeit, anteilsmässige Auszahlung bei Austritt).

3. Arbeitszeit und Überstunden

OR Art. 321c regelt Überstunden: Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, Überstunden zu leisten, wenn dies zumutbar ist. Überstunden sind grundsätzlich durch Freizeit (gleicher Dauer + 10 % Zuschlag) oder Lohnzahlung abzugelten — es sei denn, der Vertrag sieht eine pauschale Abgeltung vor.

4. Kündigungsfristen (OR Art. 335c)

DienstjahrGesetzliche Mindestkündigungsfrist
Während Probezeit7 Tage auf jeden Tag
1. Dienstjahr (nach Probezeit)1 Monat auf Monatsende
2.–9. Dienstjahr2 Monate auf Monatsende
Ab 10. Dienstjahr3 Monate auf Monatsende

5. Konkurrenzverbot (OR Art. 340 ff.)

Ein Konkurrenzverbot ist nur gültig, wenn: (1) Schriftform, (2) der Arbeitnehmer Einblick in den Kundenkreis oder Geschäftsgeheimnisse hatte, (3) die Verwendung dieser Kenntnisse dem Arbeitgeber erheblichen Schaden zufügen kann. Das Verbot darf maximal drei Jahre dauern, muss örtlich und sachlich begrenzt sein.

Befristeter vs. unbefristeter Arbeitsvertrag

MerkmalUnbefristetBefristet
Kündigung nötig?Ja, mit FristNein — endet automatisch
Probezeit möglich?JaJa (aber Relation zur Gesamtdauer)
Verlängerung—Schriftlich, max. 2× stillschweigende Verlängerung möglich
Wiederholung befristet—Mehrfache Befristungen können als unbefristet gelten (Kettenbefristung)

Weitere Vorlagen: Freelance-Vertrag Schweiz 2026, Kündigung Vorlage Schweiz.

FAQ

Muss ein Arbeitsvertrag in der Schweiz schriftlich sein?

Nein — für normale Arbeitsverhältnisse besteht keine gesetzliche Schriftpflicht. Aber: Der Arbeitgeber muss laut OR Art. 330b die wesentlichen Punkte (Lohn, Arbeitszeit, Kündigung) spätestens einen Monat nach Stellenantritt schriftlich bestätigen. Schriftlichkeit ist Pflicht bei Lehrverträgen und Konkurrenzverboten.

Wie lang ist die Probezeit in der Schweiz?

Gesetzlich beträgt die Probezeit einen Monat (OR Art. 335b). Vertraglich kann sie auf maximal drei Monate verlängert werden. Während der Probezeit gilt eine Kündigungsfrist von 7 Tagen, an jedem Werktag kündbar.

Ist der 13. Monatslohn in der Schweiz gesetzlich vorgeschrieben?

Nein. Der 13. Monatslohn ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber in vielen Branchen durch den GAV oder durch gelebte Praxis üblich. Wenn er im Vertrag oder GAV geregelt ist, besteht ein Rechtsanspruch. Ohne Regelung ist er keine Pflicht.

Wie lange gilt ein befristeter Arbeitsvertrag in der Schweiz?

Ein befristeter Vertrag endet automatisch am vereinbarten Datum — ohne Kündigung. Er kann schriftlich verlängert werden. Wird er mehrfach ohne Unterbrechung verlängert (Kettenbefristung), können Gerichte ihn als unbefristeten Vertrag qualifizieren.

Nützliche Online-Rechner