⚡ Schnellantwort: Kündigung Schweiz
- Arbeitsvertrag kündigen: Schriftlich per Einschreiben, Frist je nach Dienstjahr 1–3 Monate auf Monatsende (OR Art. 335c). Kein Grund erforderlich.
- Mietvertrag kündigen: 3 Monate Frist auf ortsüblichen Termin (31. 3. / 30. 9.), zwingend auf amtlichem kantonalen Formular (OR Art. 266l).
- Krankenkasse kündigen: Ordentlich bis 30. November für Jahreswechsel; bei Prämienerhöhung 30 Tage nach Bekanntgabe (KVG Art. 64a).
Kündigen ist in der Schweiz Alltag – aber je nach Vertragsart gelten völlig unterschiedliche Fristen, Formvorschriften und Schutzbestimmungen. Ein falsches Datum, ein fehlendes Formular oder eine übersehene Sperrfrist kann die Kündigung nichtig machen oder eine Klage auslösen. Dieser Leitfaden deckt alle wichtigen Kündigungstypen ab, gibt Copy-Paste-Vorlagen und erklärt die rechtlichen Grundlagen verständlich.
1. Kündigung Arbeitsvertrag Schweiz
Das Schweizer Arbeitsrecht kennt die Kündigungsfreiheit: Arbeitgeber und Arbeitnehmer können das Arbeitsverhältnis jederzeit ohne Angabe von Gründen beenden – sofern die gesetzlichen oder vertraglich vereinbarten Fristen eingehalten werden (OR Art. 335). Grundsätzlich gilt: Je länger das Arbeitsverhältnis dauert, desto länger ist die Kündigungsfrist.
Gesetzliche Kündigungsfristen (OR Art. 335c)
| Dienstdauer / Phase | Kündigungsfrist | Kündigungstermin |
|---|---|---|
| Probezeit (max. 3 Monate) | 7 Tage | Jederzeit |
| 1. Dienstjahr (nach Probezeit) | 1 Monat | Auf Monatsende |
| 2. bis 9. Dienstjahr | 2 Monate | Auf Monatsende |
| Ab 10. Dienstjahr | 3 Monate | Auf Monatsende |
Wichtig: Im Einzelarbeitsvertrag oder GAV (Gesamtarbeitsvertrag) können längere Fristen vereinbart werden. Verkürzungen sind nur während der Probezeit zulässig. Schauen Sie also immer zuerst in Ihren persönlichen Arbeitsvertrag, bevor Sie kündigen.
Sperrfristen für Arbeitgeber (OR Art. 336c)
Der Arbeitgeber darf während bestimmter Schutzperioden nicht kündigen. Eine Kündigung, die während einer Sperrfrist ausgesprochen wird, ist nichtig und löst keine Wirkung aus. Nach Ablauf der Sperrfrist beginnt die Kündigungsfrist neu zu laufen.
| Sperrgrund | Dauer der Sperrfrist | Gesetzliche Grundlage |
|---|---|---|
| Obligatorischer Militär-, Zivil- oder Schutzdienst | Während Dienst + 4 Wochen danach | OR Art. 336c Abs. 1 lit. a |
| Krankheit oder Unfall des Arbeitnehmers (unverschuldet) | 30 Tage (1. Jahr), 90 Tage (2.–5. Jahr), 180 Tage (ab 6. Jahr) | OR Art. 336c Abs. 1 lit. b |
| Schwangerschaft und 16 Wochen nach Entbindung | Gesamte Dauer | OR Art. 336c Abs. 1 lit. c |
| Teilnahme an Jugend- oder Ausbildungslagern (bis 30 Tage) | Während der Veranstaltung | OR Art. 336c Abs. 1 lit. d |
Für Arbeitnehmer (Eigenkündigung) gelten keine Sperrfristen. Wer selbst kündigt, kann dies jederzeit tun – unter Einhaltung der Frist.
Missbräuchliche Kündigung (OR Art. 336)
Eine Kündigung kann rechtsgültig sein, aber trotzdem als missbräuchlich eingestuft werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn gekündigt wird: wegen persönlicher Eigenschaften (Geschlecht, Herkunft, Religion), wegen Ausübung eines verfassungsmässigen Rechts, zur Vereitelung eines Gerichtsverfahrens oder wegen eines Ehrenamts. Die Folge: bis zu 6 Monatslöhne Entschädigung. Die Kündigung selbst bleibt aber wirksam.
Form der Kündigung Arbeitsvertrag
Das Gesetz schreibt für die ordentliche Kündigung des Arbeitsvertrags keine Schriftform vor. Aus Beweisgründen ist es aber dringend empfohlen, schriftlich zu kündigen und die Kündigung per Einschreiben zu versenden. So haben Sie einen Nachweis für das Datum und den Empfang. Auf Verlangen der anderen Partei muss die Kündigung begründet werden (OR Art. 335 Abs. 2).
2. Vorlage: Kündigung Arbeitsvertrag (Copy-Paste)
[Ihr Vorname Nachname] [Ihre Strasse Nr.] [PLZ Ort] [Ihre E-Mail-Adresse] [Ort], [Datum] [Firma / Arbeitgeber] [Ansprechperson HR oder Geschäftsleitung] [Strasse Nr.] [PLZ Ort] Einschreiben Betreff: Kündigung des Arbeitsvertrags Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit kündige ich mein Arbeitsverhältnis als [Ihre Stelle / Funktion] ordentlich unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist von [1 / 2 / 3 Monat(en)] auf den [Datum des letzten Arbeitstags, z. B. 31. Juli 2026]. Ich bitte Sie, mir den Empfang dieser Kündigung schriftlich zu bestätigen und mir nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ein vollständiges, qualifiziertes Arbeitszeugnis auszustellen. Ich danke Ihnen für die gute Zusammenarbeit und wünsche Ihnen und dem gesamten Team weiterhin viel Erfolg. Freundliche Grüsse [Unterschrift] [Vorname Nachname]
Tipp: Passen Sie [Datum des letzten Arbeitstags] sorgfältig an. Die Kündigung muss am letzten Tag des Vormonats beim Arbeitgeber eingegangen sein, damit die Frist ab dem Folgemonatsersten läuft. Beispiel: Kündigung mit 1 Monat Frist, gewünschter letzter Tag 31. August → Kündigung muss spätestens am 31. Juli beim Arbeitgeber vorliegen.
Wenn Sie sich mit Ihrem Arbeitgeber auf eine einvernehmliche Auflösung einigen möchten, lesen Sie unseren Leitfaden zum Aufhebungsvertrag Schweiz.
3. Kündigung Mietvertrag Schweiz
Das Mietrecht ist in der Schweiz stark zugunsten der Mieter ausgestaltet. Entsprechend komplex sind die Regeln für die Kündigung – sowohl für Vermieter als auch für Mieter. Die zentralen Vorschriften finden sich in OR Art. 266–266o.
Kündigungsfristen Mietvertrag (OR Art. 266a–266d)
| Mietobjekt | Kündigungsfrist | Ortsübliche Termine (Beispiele) |
|---|---|---|
| Wohnung (unbefristet) | 3 Monate | 31. März / 30. September (häufig, kantonal verschieden) |
| Möbliertes Zimmer | 2 Wochen | Auf jeden Monatsende |
| Geschäftsraum (unbefristet) | 6 Monate | Ortsübliche Termine (je nach Kanton) |
| Abstellplätze / Parkplätze | 2 Wochen bis 3 Monate | Je nach Vertrag |
| Befristeter Mietvertrag | Endet automatisch | Kein Kündigungsrecht während der Laufzeit |
Amtliches Formular: Der Vermieter ist verpflichtet, die Kündigung auf dem von jedem Kanton genehmigten Formular zuzustellen (OR Art. 266l). Eine Kündigung ohne dieses Formular ist absolut nichtig – auch wenn alles andere stimmt. Mieter müssen kein amtliches Formular verwenden, sollten aber ebenfalls schriftlich und per Einschreiben kündigen.
Sondersituation: Familienwohnung
Kündigt ein Ehegatte / eingetragener Partner eine Familienwohnung, benötigt er die ausdrückliche Zustimmung des anderen (ZGB Art. 169). Beide müssen unterschreiben. Eine einseitige Kündigung ist nichtig.
Anfechtung der Kündigung durch den Mieter
Mieter können eine Kündigung des Vermieters bei der zuständigen Schlichtungsbehörde anfechten, wenn sie die Kündigung als missbräuchlich erachten – etwa als Rachekündigung nach Reklamation oder Mietminderung. Die Frist zur Anfechtung beträgt 30 Tage nach Empfang der Kündigung. Zusätzlich können Mieter eine Erstreckung des Mietverhältnisses um bis zu 4 Jahre beantragen, wenn die Kündigung eine Härte darstellt (OR Art. 272).
4. Vorlage: Kündigung Mietvertrag (Mieter, Copy-Paste)
[Vorname Nachname Mieter] [Strasse Nr.] [PLZ Ort] [Telefon / E-Mail] [Ort], [Datum] [Vorname Nachname Vermieter / Verwaltung] [Strasse Nr.] [PLZ Ort] Einschreiben Betreff: Kündigung des Mietvertrags, Objekt: [Adresse der Mietwohnung, inkl. Wohnungs-Nr.] Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit kündige ich den Mietvertrag für die Wohnung an der [vollständige Adresse der Mietwohnung] ordentlich unter Einhaltung der vereinbarten Kündigungsfrist von 3 Monaten auf den nächsten ortsüblichen Kündigungstermin, somit auf den [z. B. 30. September 2026]. Ich bitte Sie, mir den Empfang dieser Kündigung schriftlich zu bestätigen und einen Termin für die Wohnungsübergabe zu vereinbaren. Freundliche Grüsse [Unterschrift Mieter 1] [Vorname Nachname] [Unterschrift Mieter 2 – bei Familienwohnung zwingend] [Vorname Nachname]
Weitere Informationen finden Sie in unserem ausführlichen Leitfaden zum Mietvertrag Schweiz.
5. Kündigung Krankenkasse Schweiz
Die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) ist in der Schweiz gesetzlich vorgeschrieben (KVG). Jede in der Schweiz wohnhafte Person muss bei einer anerkannten Krankenkasse versichert sein. Dennoch können Sie den Anbieter wechseln – unter Einhaltung der Fristen.
Ordentliche Kündigung (Jahreswechsel)
Die ordentliche Kündigung der Grundversicherung ist möglich auf Ende Jahr (31. Dezember). Die Kündigung muss spätestens am 30. November bei der Krankenkasse eingegangen sein. Versandtag und Eingangstag können auseinanderfallen – senden Sie also rechtzeitig per Einschreiben.
Kündigung bei Prämienerhöhung
Erhöht die Krankenkasse die Prämien für das Folgejahr, haben Sie ein ausserordentliches Kündigungsrecht. Die Kündigung muss bis zum letzten Tag des Monats eingehen, der dem Monat folgt, in dem die Erhöhung bekanntgegeben wurde. In der Praxis: Prämienerhöhung wird im September / Oktober bekanntgegeben → Kündigung bis Ende November möglich.
Kündigung der Zusatzversicherung
Für Zusatzversicherungen (Spital, Zahnarzt, Brille etc.) gelten privatrechtliche Regeln – die Fristen können kürzer oder länger sein als in der Grundversicherung. Schauen Sie in die Police. Häufig: Kündigung 3 Monate vor Vertragsende.
Wichtig: Kündigen Sie die alte Krankenkasse erst, wenn Sie eine Bestätigung der neuen Kasse haben. Ohne gültige Versicherung kann die ehemalige Kasse Sie nicht entlassen – und Sie müssen weiter zahlen.
6. Kündigung Versicherungen allgemein
Neben der Krankenkasse gibt es zahlreiche andere Versicherungen, die regelmässig gekündigt werden. Die Fristen variieren stark je nach Vertrag und Anbieter. Hier die wichtigsten Richtlinien:
| Versicherungstyp | Typische Kündigungsfrist | Kündigungstermin | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Autoversicherung (MFZ) | 3 Monate | Jahresende (31. Dezember) | Ausserordentliches Kündigungsrecht nach Schadensfall |
| Hausratversicherung | 3 Monate | Jahresende oder Vertragsjahrestag | Bei Umzug teilweise vorzeitige Kündigung möglich |
| Haftpflichtversicherung | 3 Monate | Jahresende oder Vertragsjahrestag | Oft mit Hausrat kombiniert |
| Lebensversicherung (Risikoversicherung) | 30–90 Tage | Vertragsende oder jedes Versicherungsjahr | Kapitalversicherungen: höhere Hürden |
| Rechtsschutzversicherung | 3 Monate | Jahresende | 5-Jahres-Klausel beachten (Mindestlaufzeit) |
Bei Prämienerhöhungen oder nach einem Schadensfall haben Sie in der Regel ein ausserordentliches Kündigungsrecht mit kürzerer Frist. Prüfen Sie Ihre Police und die allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB).
Vorlage: Kündigung Versicherungsvertrag (allgemein)
[Ihr Vorname Nachname] [Strasse Nr.] [PLZ Ort] [Versicherungsnummer / Policen-Nr.] [Ort], [Datum] [Versicherungsgesellschaft] [Abteilung Kundenservice] [Strasse Nr.] [PLZ Ort] Einschreiben Betreff: Ordentliche Kündigung der Versicherungspolice Nr. [Policen-Nr.] Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit kündige ich die oben genannte Versicherungspolice ([Art der Versicherung, z. B. Hausratversicherung]) ordentlich zum nächstmöglichen Termin, frühestens zum [Kündigungstermin gemäss Vertrag]. Bitte bestätigen Sie mir die Kündigung schriftlich. Freundliche Grüsse [Unterschrift] [Vorname Nachname]
7. Kündigung Handyvertrag / Telekommunikation
Schweizer Mobilfunkanbieter (Swisscom, Sunrise, Salt u. a.) verlangen bei Abonnements mit Mindestlaufzeit die Einhaltung von Kündigungsfristen:
- Mindestlaufzeit: Häufig 12 oder 24 Monate. Während dieser Zeit: kein ordentliches Kündigungsrecht, ausser Sie zahlen eine Auflöseentschädigung.
- Kündigungsfrist nach Mindestlaufzeit: In der Regel 30–60 Tage auf das Ende der Laufzeit oder den jeweils nächsten Monatsende.
- Rufnummernportierung: Der neue Anbieter übernimmt die Portierung. Koordinieren Sie den Wechsel, damit keine Lücke entsteht und Sie nicht doppelt zahlen.
- Fernabsatz / Online-Abschluss: Bei telefonisch oder online abgeschlossenen Verträgen gilt ein 14-tägiges Widerrufsrecht (OR Art. 40e–f).
8. Sonderfälle: Fristlose Kündigung und Aufhebungsvertrag
Fristlose Kündigung Arbeitsvertrag (OR Art. 337)
In ausserordentlichen Situationen kann sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung auflösen. Voraussetzung: Es muss ein wichtiger Grund vorliegen, der die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses nach Treu und Glauben unzumutbar macht.
Beispiele für wichtige Gründe beim Arbeitgeber: schwerer Vertrauensmissbrauch, Diebstahl, Gewalt am Arbeitsplatz, täuschende Angaben beim Vertragsabschluss. Beim Arbeitnehmer: massive Übergriffe, unterlassene Lohnzahlung, grobe Verletzung der Fürsorgepflicht.
Die fristlose Kündigung muss schriftlich und umgehend erfolgen. Eine Verzögerung kann als Billigung interpretiert werden.
Aufhebungsvertrag (einvernehmliche Auflösung)
Statt einer einseitigen Kündigung können sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf einen Aufhebungsvertrag einigen. Darin werden Endtermin, Abfindung, Freistellung, Rückgabe von Arbeitsmitteln und das Zeugnis geregelt. Vorteil: Beide Seiten haben mehr Flexibilität als bei einer ordentlichen Kündigung. Achtung: Ein Aufhebungsvertrag kann zum Verlust des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung für einen gewissen Zeitraum führen (Einstelltage).
Kündigung während Krankenstand
Arbeitnehmer können auch während eines Krankenstands kündigen (Eigenkündigung). Die Kündigungsfrist läuft ab der Kündigung normal weiter. Falls die Arbeitsunfähigkeit bis ins nächste Dienstjahr dauert, haben Sie möglicherweise Anspruch auf längere Lohnfortzahlung nach OR Art. 324a.
9. Arbeitszeugnis nach der Kündigung
Jeder Arbeitnehmer hat nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein vollständiges, qualifiziertes Arbeitszeugnis (OR Art. 330a). Das Zeugnis muss wahrheitsgemäss und wohlwollend sein. Sie können auch während des laufenden Arbeitsverhältnisses ein Zwischenzeugnis verlangen. Fordern Sie das Zeugnis aktiv an – der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, es von sich aus auszustellen.
10. Checkliste vor jeder Kündigung
- Kündigungsfrist im Vertrag nachschauen (vertraglich vereinbarte Frist gilt vor gesetzlicher)
- Kündigungstermin berechnen (Monatsende bei Arbeitsvertrag, ortsüblicher Termin bei Mietvertrag)
- Bei Mietvertrag: amtliches kantonales Formular beschaffen (Vermieter) oder schriftlich kündigen (Mieter)
- Bei Familienwohnung: beide Partner unterschreiben lassen
- Sperrfristen prüfen (gilt für Arbeitgeber, nicht für Arbeitnehmer)
- Einschreiben versenden und Quittung aufbewahren
- Empfangsbestätigung verlangen
- Nachfolgelösung sichern (neue Stelle, neue Wohnung, neue Krankenkasse) bevor Sie kündigen
- Bei Arbeitsvertrag: Arbeitszeugnis rechtzeitig verlangen
- Bei Bedarf Rechtsberatung einholen (Gewerkschaft, Mieterverband, Anwalt)