Arbeitsrecht

Arbeitsvertrag Vorlage Schweiz – Muster zum Herunterladen & Pflichtinhalte nach OR

Schnellantwort: Ein Arbeitsvertrag in der Schweiz ist nach OR Art. 319 grundsätzlich formfrei — er gilt auch mündlich oder stillschweigend. Trotzdem: Wer auf Papier verzichtet, verzichtet auf Beweissicherheit. Die Vorlage auf dieser Seite enthält alle Pflichtangaben und empfohlenen Klauseln für unbefristete und befristete Arbeitsverhältnisse — kopierfertig, ohne Anwalt, sofort einsetzbar.

Wer einen neuen Mitarbeiter einstellt, denkt zuerst an Lohn, Startdatum und Stellenbeschreibung. Der Vertrag selbst? Kommt oft als letztes — oder gar nicht. Dabei ist ein sorgfältig formulierter Arbeitsvertrag das einzige Dokument, das im Streitfall wirklich zählt. Dieser Artikel liefert eine vollständige Vorlage zum direkten Verwenden sowie die rechtlichen Hintergründe zu Probezeit, Kündigungsfristen, Lohnfortzahlung und Konkurrenzverbot.

Vorlage: Arbeitsvertrag Schweiz (Muster zum Kopieren)

Die folgende Vorlage basiert auf den Mindestanforderungen des Obligationenrechts (Art. 319 ff. OR) und enthält alle praxisrelevanten Klauseln. Felder in [ECKIGEN KLAMMERN] sind anzupassen.

EINZELARBEITSVERTRAG
(gemäss Art. 319 ff. OR)

Zwischen

Arbeitgeber:
[Firmenname, Rechtsform]
[Strasse, PLZ Ort]
[UID-Nummer]

und

Arbeitnehmer/in:
[Vorname Nachname]
[Adresse]
[AHV-Nummer]

wird folgender Arbeitsvertrag abgeschlossen:

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§ 1  Stelle und Aufgaben

Die/Der Arbeitnehmer/in wird als [Berufsbezeichnung / Funktion] angestellt.
Die Hauptaufgaben umfassen: [Kurzbeschreibung der Kernaufgaben].
Der/Die Arbeitnehmer/in kann nach Absprache auch für andere angemessene Arbeiten eingesetzt werden.

§ 2  Stellenantritt und Vertragsdauer

Stellenantritt: [TT.MM.JJJJ]
Das Arbeitsverhältnis ist: ☐ unbefristet  ☐ befristet bis [TT.MM.JJJJ]

§ 3  Probezeit (Art. 335b OR)

Die Probezeit beträgt [1 Monat / bis zu 3 Monate gemäss schriftlicher Vereinbarung].
Während der Probezeit gilt eine Kündigungsfrist von 7 Tagen auf jeden beliebigen Tag.

§ 4  Arbeitszeit

Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt [z.B. 42] Stunden, verteilt auf [5] Arbeitstage.
Überstunden bis zu [20] Stunden pro Monat sind im Lohn enthalten / werden mit einem
Zuschlag von [25%] entschädigt. (Art. 321c OR)

§ 5  Lohn (Art. 322 OR)

Bruttomonatslohn: CHF [Betrag]
Zahlungsweise: monatlich, spätestens am letzten Werktag des Monats
13. Monatslohn: ☐ Ja, anteilig im Dezember  ☐ Nein

§ 6  Ferien (Art. 329a OR)

Ferienanspruch: [4 / 5] Wochen pro Kalenderjahr (anteilig im Eintrittsjahr).
Für Mitarbeitende bis zum vollendeten 20. Altersjahr: 5 Wochen.

§ 7  Krankheit und Unfall (Art. 324a OR)

Der Arbeitgeber hat eine Krankentaggeldversicherung abgeschlossen, die 80% des Lohnes
während 720 Tagen (nach einer Wartefrist von [3/7/30] Tagen) leistet. (Art. 324a Abs. 4 OR)
Nachweis der Arbeitsunfähigkeit durch Arztzeugnis ab dem [3.] Absenztag.

§ 8  Kündigungsfristen (Art. 335c OR)

Nach Ablauf der Probezeit gelten folgende Kündigungsfristen auf Monatsende:
  - Im 1. Dienstjahr: 1 Monat
  - Im 2.-9. Dienstjahr: 2 Monate
  - Ab dem 10. Dienstjahr: 3 Monate

§ 9  Konkurrenzverbot (Art. 340 OR)

Die/Der Arbeitnehmer/in verpflichtet sich, nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses
während [max. 3 Jahren] keine konkurrenzierenden Tätigkeiten in [geografischer Bereich]
auszuführen. (Art. 340 Abs. 2 OR)

§ 10  Sorgfalts- und Treuepflicht (Art. 321a OR)

Die/Der Arbeitnehmer/in wahrt die berechtigten Interessen des Arbeitgebers in guten Treuen.

§ 11  Datenschutz

Personendaten werden im Rahmen des Arbeitsverhältnisses gemäss DSG (SR 235.1) bearbeitet.

§ 12  Gerichtsstand

Anwendbares Recht: Schweizer Recht. Gerichtsstand: [Ort].

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Ort und Datum: _________________, den _______________

Arbeitgeber: _________________________  Arbeitnehmer/in: _________________________
(Unterschrift)                          (Unterschrift)

Hinweis: Diese Vorlage ist ein Ausgangspunkt. Bei besonderen Konstellationen (leitende Mitarbeiter, Gesamtarbeitsvertrag, Teilzeit, Homeoffice) empfiehlt sich die Anpassung durch eine Fachperson.

Was muss zwingend in einen Arbeitsvertrag? Pflichtinhalte nach OR

Das Obligationenrecht nennt keine abschliessende Liste der Pflichtinhalte für einen Einzelarbeitsvertrag. Was es aber regelt: die zwingenden Mindestrechte, von denen weder nach oben noch nach unten abgewichen werden darf (Art. 361–362 OR). Wer diese Grenzen im Vertrag unterschreitet, setzt sich nichtig gesetzten Klauseln aus — und steht im Streitfall schlechter da, als wenn er gar nichts geschrieben hätte.

ElementStatusOR-Grundlage
Identität beider ParteienPflicht (Beweis)Art. 319 OR
Lohn / SalärPflichtArt. 322 OR
Ferienanspruch (min. 4 Wo.)Pflicht (Min.)Art. 329a OR
Probezeit (wenn verlängert)Schriftform nötigArt. 335b OR
Kündigungsfristen (abweichend)Schriftform nötigArt. 335c OR
KonkurrenzverbotSchriftform nötigArt. 340 OR
Arbeitszeit / ÜberstundenEmpfohlenArt. 321c OR
Lohnfortzahlung / KrankentaggeldEmpfohlenArt. 324a OR

Probezeit nach Art. 335b OR: Regeln, die viele falsch kennen

Standardmässig gilt der erste Monat eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses als Probezeit — ohne dass dies ausdrücklich vereinbart werden muss (Art. 335b Abs. 1 OR). Während dieser Zeit kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von sieben Tagen auf jeden beliebigen Tag aufgelöst werden.

Durch schriftliche Vereinbarung kann die Probezeit auf maximal drei Monate verlängert werden. Mehr geht nicht. Was aber gilt: Wird die Probezeit durch Krankheit, Unfall oder Erfüllung einer gesetzlichen Pflicht tatsächlich verkürzt, verlängert sie sich entsprechend (Art. 335b Abs. 3 OR).

Wer einen Mitarbeiter auf drei Monate Probe einstellt und vergisst, dies schriftlich festzuhalten, fällt automatisch auf den Standardmonat zurück. Klingt banal, ist aber ein klassischer Fehler — besonders bei kleinen Unternehmen, die auf Standardvorlagen verzichten.

Kündigungsfristen: Vollständige Tabelle nach Art. 335c OR

DienstjahrKündigungsfristTermin
Probezeit7 TageBeliebiger Tag
1. Dienstjahr1 MonatMonatsende
2.–9. Dienstjahr2 MonateMonatsende
Ab 10. Dienstjahr3 MonateMonatsende

Achtung beim Sperrfristen-Schutz: Eine Kündigung zur Unzeit — etwa während Krankheit, Unfall oder Militärdienst — ist nichtig (Art. 336c OR). Mehr zu Formalitäten: Kündigungsvorlage Schweiz — Muster und Fristen.

Lohnfortzahlung bei Krankheit: Berner und Zürcher Skala

Art. 324a OR verpflichtet den Arbeitgeber, den Lohn bei unverschuldeter Verhinderung des Arbeitnehmers fortzuzahlen — für eine beschränkte Zeit. Die kantonalen Gerichte haben Skalen entwickelt, die heute die praktische Grundlage bilden.

DienstjahrBerner SkalaZürcher Skala
1. Jahr3 Wochen7 Wochen (1+6)
2. Jahr1 Monat8 Wochen (2+6)
3.–4. Jahr2 Monate9–10 Wochen
Ab 10. Jahr4 Monate16 Wochen

Art. 324a Abs. 4 OR lässt eine Kollektivkrankentaggeldversicherung als gleichwertigen Ersatz zu — sofern sie 80% des Lohnes während 720 Tagen leistet und der Arbeitgeber mindestens die Hälfte der Prämie trägt.

Konkurrenzverbot: Wann ist es gültig?

Ein Konkurrenzverbot ist nur unter kumulativen Voraussetzungen wirksam (Art. 340 Abs. 2 OR): Einblick in Kundenkreis oder Geschäftsgeheimnisse, erhebliches Schadenpotenzial, Schriftform, und angemessene Beschränkung nach Ort, Zeit und Gegenstand (max. 3 Jahre).

Eine häufige Fehlannahme: Ein Konkurrenzverbot ist kein Automatismus, nur weil es im Vertrag steht. Wer als Lagerist tätig war und keinerlei Einblick in Geschäftsgeheimnisse hatte, kann nach dem Austritt problemlos zum Konkurrenten wechseln. Wichtig: Kündigt der Arbeitgeber ohne sachlichen Grund, fällt das Konkurrenzverbot dahin (Art. 340c Abs. 2 OR).

Die häufigsten Fehler in Arbeitsverträgen

Keine Überstundenregelung

Fehlt eine Klausel, gilt Art. 321c OR: Überstunden sind zu entschädigen oder durch Freizeit auszugleichen. Wer möchte, dass ein bestimmtes Kontingent pauschal abgegolten ist, muss dies ausdrücklich vereinbaren.

Mündliche Probezeit-Verlängerung

«Wir haben das ja besprochen» reicht nicht. Die Verlängerung der Probezeit über einen Monat hinaus bedarf zwingend der Schriftform. Im Streit gilt: Was nicht schriftlich ist, ist nicht vereinbart.

Zu weites Konkurrenzverbot

Ein Verbot, das «die gesamte Branche in der Schweiz für fünf Jahre» untersagt, ist nichtig — nicht nur teilweise, sondern ganz. Ein angemessen beschränktes Verbot hat deutlich bessere Chancen vor Gericht.

Arbeitsvertrag und die anderen Dokumente im Arbeitsverhältnis

Ein Arbeitsvertrag ist der Ausgangspunkt. Bei Beendigung braucht es eine ordentliche Kündigung oder — wenn beide Seiten einverstanden sind — einen Aufhebungsvertrag. Nach dem Austritt hat der Arbeitnehmer Anspruch auf ein Arbeitszeugnis (Art. 330a OR). Für den theoretischen Hintergrund: Arbeitsvertrag nach OR — was das Gesetz vorschreibt.

FAQ

Muss ein Arbeitsvertrag in der Schweiz zwingend schriftlich sein?

Nein. Nach Art. 319 OR ist der Einzelarbeitsvertrag formfrei — er gilt auch mündlich oder durch konkludentes Handeln. Schriftform ist jedoch zwingend für bestimmte Klauseln: Verlängerung der Probezeit, abweichende Kündigungsfristen, Konkurrenzverbote. Quelle: fedlex.admin.ch, OR Art. 319.

Wie lange darf die Probezeit maximal dauern?

Gesetzlich maximal drei Monate, per schriftlicher Vereinbarung. Der gesetzliche Standard ohne Vereinbarung beträgt einen Monat (Art. 335b OR). Eine weitere Verlängerung ist nicht möglich — auch nicht per GAV im Einzelarbeitsvertrag. Quelle: ch.ch, Probezeit.

Welche Kündigungsfrist gilt ab dem zweiten Dienstjahr?

Zwei Monate auf Ende eines Kalendermonats (Art. 335c OR). Diese Frist gilt vom zweiten bis zum neunten Dienstjahr. Ab dem zehnten Dienstjahr erhöht sie sich auf drei Monate. Durch schriftliche Vereinbarung kann die Frist verlängert werden. Quelle: seco.admin.ch.

Was gilt bei Krankheit im ersten Dienstjahr bezüglich Lohn?

Im ersten Dienstjahr hat der Arbeitnehmer mindestens drei Wochen Lohnfortzahlung (Art. 324a OR), sofern das Arbeitsverhältnis mehr als drei Monate gedauert hat oder auf mehr als drei Monate eingegangen wurde. Viele Arbeitgeber bieten via Krankentaggeldversicherung bessere Leistungen. Quelle: seco.admin.ch.

Ist ein Konkurrenzverbot ohne Einblick in Geschäftsgeheimnisse gültig?

Nein. Art. 340 Abs. 2 OR verlangt kumulativ: Einblick in Kundenkreis oder Geschäftsgeheimnisse und erhebliches Schadenpotenzial. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, ist das Konkurrenzverbot von Gesetzes wegen unverbindlich — unabhängig davon, was im Vertrag steht. Quelle: fedlex.admin.ch, OR Art. 340.

Kann ich als Arbeitgeber die Kündigungsfristen verkürzen?

Nur bedingt. Durch schriftliche Vereinbarung kann die Frist im ersten Dienstjahr auf unter einen Monat herabgesetzt werden, aber nur durch GAV — nicht im Einzelarbeitsvertrag. Ab dem zweiten Dienstjahr kann die gesetzliche Frist von zwei Monaten nicht unterschritten werden. Quelle: seco.admin.ch.

Welche Informationspflicht hat der Arbeitgeber bei befristeten Verträgen?

Bei befristeten Verträgen endet das Arbeitsverhältnis automatisch mit Ablauf der vereinbarten Dauer (Art. 334 OR). Wird es stillschweigend fortgesetzt, gilt es als unbefristetes Arbeitsverhältnis umgewandelt. Eine explizite Kündigung braucht es dann nicht mehr. Quelle: fedlex.admin.ch, OR Art. 334.

Hat ein Arbeitnehmer Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?

Ja, jederzeit und unabhängig vom Austrittsgrund (Art. 330a OR). Das Zeugnis muss vollständig, wahrheitsgemäss und wohlwollend formuliert sein. Auf Verlangen wird ein einfaches Arbeitszeugnis ausgestellt, das nur Dauer und Art der Beschäftigung enthält. Quelle: ch.ch.

Kann ein Arbeitsverhältnis einvernehmlich aufgelöst werden?

Ja. Ein Aufhebungsvertrag ermöglicht die gemeinsame Beendigung ohne Einhaltung von Kündigungsfristen. Er muss schriftlich abgefasst sein und darf keine versteckten Nachteile für den Arbeitnehmer enthalten, sonst riskiert man Nichtigkeit. Quelle: OR Art. 115 ff.

Gilt ein Arbeitsvertrag auch ohne Unterschrift?

Ja, sofern das Arbeitsverhältnis faktisch aufgenommen wurde. Der Vertrag gilt dann als konkludent geschlossen (Art. 320 Abs. 2 OR). Klauseln, die Schriftform erfordern (Konkurrenzverbot, verlängerte Probezeit, abweichende Fristen), gelten jedoch nicht. Quelle: fedlex.admin.ch, OR Art. 320.

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