Ihre Nachbarin liegt im Spital und braucht dringend jemanden, der ihr eingeschriebenes Paket bei der Post abholt. Ihr Vater reist drei Wochen und möchte, dass Sie in dieser Zeit seine Post öffnen und die Krankenkassenrechnung begleichen dürfen. Oder Sie fliegen allein mit dem Kind Ihrer Partnerin in die Ferien, und die Grenzkontrolle fragt nach dem Einverständnis der Mutter. In keinem dieser Fälle braucht es einen Anwalt, ein Word-Dokument oder eine Wartezeit per E-Mail – nur den richtigen Text, korrekt ausgefüllt und unterschrieben. Genau das liefert diese Vollmacht Vorlage Schweiz: fertige Mustertexte zum direkten Kopieren, dazu die Formregeln, die in der Praxis über Annahme oder Ablehnung entscheiden.
Kurz erklärt: Eine Vollmacht ist in der Schweiz grundsätzlich formfrei gültig – handschriftlich, getippt oder sogar mündlich (Art. 11 OR analog). Sie muss Vollmachtgeber/in, bevollmächtigte Person, Umfang und Datum eindeutig nennen und unterschrieben sein. Strengere Formvorschriften gelten nur für Ausnahmen wie den Vorsorgeauftrag (Art. 361 ZGB) oder bestimmte Register- und Bankgeschäfte.
Die wichtigsten Vollmacht-Typen im Vergleich
Nicht jede Vollmacht ist gleich weit gefasst, und nicht jede braucht dieselbe Sorgfalt bei der Form. Die folgende Übersicht zeigt, wofür welcher Typ gedacht ist – ausführlichere Muster und Erklärungen zu den einzelnen Varianten finden sich in den verlinkten Beiträgen.
| Art | Umfang | Form | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Einzelvollmacht (Spezialvollmacht) | Ein einzelnes, genau bezeichnetes Geschäft | Formfrei, schriftlich empfohlen | Fahrzeug abholen, an einer Versammlung vertreten lassen |
| Generalvollmacht | Sämtliche administrativen, finanziellen und rechtlichen Alltagsgeschäfte | Formfrei, schriftlich, idealerweise befristet | Vertretung bei längerer Abwesenheit, Krankheit oder Auslandaufenthalt |
| Bankvollmacht | Verfügung über ein oder mehrere Konten | Eigenes Formular der Bank, oft mit Unterschriftenprobe | Konto verwalten, wenn Kontoinhaber/in verhindert ist |
| Handlungsvollmacht / Prokura | Vertretung eines Geschäftsbetriebs (Art. 458 ff. OR) | Prokura: Eintrag im Handelsregister nötig | Unterschriftsberechtigung für Mitarbeitende im Betrieb |
| Reisevollmacht für Kinder | Zustimmung zur Auslandreise eines Kindes | Formlos, Beglaubigung je nach Zielland empfohlen | Kind reist mit nur einem Elternteil oder einer Drittperson |
| Vorsorgeauftrag | Personen- und Vermögenssorge sowie Vertretung bei Urteilsunfähigkeit | Eigenhändig oder öffentlich beurkundet (Art. 361 ZGB) | Vorsorge für den Fall von Demenz, Koma oder schwerem Unfall |
Mustertext: Einzelvollmacht (Spezialvollmacht)
Diese Variante eignet sich, wenn jemand Sie nur für eine ganz bestimmte Angelegenheit vertreten soll – etwa eine Abholung, einen Behördengang oder die Unterzeichnung eines einzelnen Dokuments. Kopieren Sie den Text, füllen Sie die eckigen Klammern aus und drucken Sie ihn aus.
EINZELVOLLMACHT (SPEZIALVOLLMACHT) Vollmachtgeber/in: [Vorname Name], geboren am [Geburtsdatum] wohnhaft: [Adresse, PLZ Ort] bevollmächtigt hiermit Bevollmächtigte Person: [Vorname Name], geboren am [Geburtsdatum] wohnhaft: [Adresse, PLZ Ort] zur Vornahme folgender Handlung: [Genaue Bezeichnung des Geschäfts, z. B. Abholung und Entgegennahme des Fahrzeugs mit Stammnummer ... bei der Garage ..., oder Vertretung im Verfahren Nr. ... bei der Amtsstelle ...] Die Vollmacht gilt ausschliesslich für die oben genannte Angelegenheit und erlischt mit deren Erledigung, spätestens jedoch am [Datum]. Untervollmacht darf die bevollmächtigte Person: ☐ nicht erteilen ☐ erteilen [Ort], den [Datum] _______________________________ Unterschrift Vollmachtgeber/in: [Vorname Name]
Mustertext: Generalvollmacht
Eine Generalvollmacht deckt den gesamten administrativen Alltag ab, statt sich auf ein einziges Geschäft zu beschränken. Genau deshalb lohnt es sich, eine Befristung und klare Ausnahmen einzubauen – wer keine Grenzen setzt, gibt mehr aus der Hand, als er eigentlich wollte. Eine ausführlichere Version mit Varianten für Ehepaare und für den Fall der Urteilsunfähigkeit finden Sie in der Generalvollmacht Schweiz.
GENERALVOLLMACHT Vollmachtgeber/in: [Vorname Name], geboren am [Geburtsdatum] wohnhaft: [Adresse, PLZ Ort] bevollmächtigt hiermit umfassend: Bevollmächtigte Person: [Vorname Name], geboren am [Geburtsdatum] wohnhaft: [Adresse, PLZ Ort] Umfang der Vollmacht: Die bevollmächtigte Person ist berechtigt, den Vollmachtgeber / die Vollmachtgeberin in administrativen, finanziellen und rechtlichen Alltagsangelegenheiten zu vertreten, insbesondere: - Verkehr mit Behörden, Versicherungen und der Post - Entgegennahme und Versand von Korrespondenz - Abschluss und Kündigung laufender Verträge des täglichen Bedarfs - Vertretung gegenüber Ämtern und Dienstleistern Ausdrücklich ausgeschlossen sind: - Geschäfte, die von Gesetzes wegen der öffentlichen Beurkundung bedürfen (namentlich Grundstückgeschäfte nach Art. 216 OR), sofern hierfür keine gesonderte schriftliche Ermächtigung vorliegt - Handlungen, die einen Vorsorgeauftrag nach Art. 360 ff. ZGB voraussetzen - Verfügungen über Bankkonten, sofern die Bank hierfür ein eigenes Formular verlangt - [weitere individuell auszuschliessende Bereiche] Gültigkeit: Diese Vollmacht gilt ab dem [Datum] bis zum [Datum] bzw. bis zu ihrem schriftlichen Widerruf durch die vollmachtgebende Person. [Ort], den [Datum] _______________________________ Unterschrift Vollmachtgeber/in: [Vorname Name]
Was eine Vollmacht in der Schweiz gültig macht
Das Obligationenrecht regelt die Stellvertretung in den Art. 32–40 OR: Schliesst eine bevollmächtigte Person im Namen einer anderen Person ein Geschäft ab, wird direkt die vertretene Person berechtigt und verpflichtet (Art. 32 OR). Für die Form der Vollmacht selbst gilt der allgemeine Grundsatz aus Art. 11 OR – Rechtsgeschäfte brauchen keine besondere Form, ausser das Gesetz schreibt eine vor. Auf die Vollmacht übertragen heisst das: Sie kann formfrei, also auch mündlich, erteilt werden. In der Praxis verlangen Banken, Behörden und das Grundbuchamt trotzdem eine schriftliche, oft eigenhändig unterzeichnete Fassung, weil sie sonst keinen Nachweis in den Händen haben.
Eine oft missverstandene Ausnahme betrifft Grundstückgeschäfte: Der Kaufvertrag über ein Grundstück braucht die öffentliche Beurkundung (Art. 216 OR). Das bedeutet aber nicht automatisch, dass auch die Vollmacht dazu öffentlich beurkundet sein muss – sie kann grundsätzlich formlos erteilt werden. Entscheidend ist, dass das Vertretungsverhältnis im notariellen Kaufvertrag korrekt und vollständig wiedergegeben wird. Weil Notariate dafür eine verlässliche Grundlage brauchen, verlangen sie in der Praxis meist trotzdem eine schriftliche und öffentlich beglaubigte Vollmacht.
Eine echte gesetzliche Ausnahme von der Formfreiheit ist der Vorsorgeauftrag: Er muss entweder vollständig von Hand geschrieben, datiert und unterzeichnet oder notariell öffentlich beurkundet werden (Art. 361 ZGB). Eine am Computer getippte und nur unterschriebene Fassung erfüllt diese Voraussetzung nicht und bleibt wirkungslos.
Wichtig ist ausserdem, wie weit der Umfang einer Vollmacht reicht, sobald sie kommuniziert wurde: Wird die Ermächtigung Dritten mitgeteilt, richtet sich ihr Umfang diesen gegenüber nach dem Inhalt dieser Mitteilung (Art. 33 Abs. 2 und 3 OR). Wer also einer Vermieterin schriftlich mitteilt, jemand dürfe sämtliche Mietangelegenheiten erledigen, kann sich später nicht mehr darauf berufen, es sei eigentlich nur um eine einzelne Zahlung gegangen. Eine präzise Formulierung schützt also nicht nur die bevollmächtigte Person, sondern auch die vollmachtgebende.
Die häufigsten Gründe, warum eine Vollmacht abgelehnt wird
Formfreiheit heisst nicht, dass jede Vollmacht überall akzeptiert wird. In der Praxis scheitern die meisten Vorlagen an denselben Stellen.
Banken verlangen praktisch nie eine allgemein formulierte Vollmacht, selbst wenn diese sauber unterschrieben ist. Jedes Institut hat sein eigenes Formular mit Unterschriftenprobe, weil es intern die Sorgfaltspflichten gegenüber seinen Kundinnen und Kunden erfüllen muss. Wer eine Person für ihr Konto bevollmächtigen will, kommt an der Bankvollmacht Schweiz und dem entsprechenden Bankformular nicht vorbei.
Beim Vorsorgeauftrag ist der Klassiker die am Computer getippte Vorlage, die zwar inhaltlich überzeugend wirkt, aber die Formvorschrift von Art. 361 ZGB verfehlt und damit ungültig ist. Was ein gültiger Vorsorgeauftrag konkret enthalten muss, gehört deshalb separat erklärt.
Weitere Klassiker: eine Vollmacht ohne Datum oder Gültigkeitsdauer, bei der niemand mehr sagen kann, ob sie noch aktuell ist; eine nicht öffentlich beglaubigte Unterschrift, wo das Handelsregister oder Grundbuchamt genau das verlangt; und die Verwechslung von privater Vertretung mit betrieblicher Zeichnungsberechtigung. Wer im Namen einer Firma unterschreiben soll, braucht in der Regel keine private Vollmacht, sondern eine im Handelsregister eingetragene Handlungsvollmacht oder Prokura nach Art. 458 ff. OR. Und schliesslich: Wer mit einem Kind allein oder mit nur einem Elternteil ins Ausland reist, sollte die Reisevollmacht für Kinder nicht vergessen – ohne sie kommt es an mancher Grenze zu unangenehmen Nachfragen. Die meisten dieser Ablehnungen liessen sich vermeiden, wenn vorher jemand die Frage gestellt hätte: Wer genau soll diese Vollmacht am Ende lesen und akzeptieren – eine Privatperson, eine Bank oder eine Behörde? Die Antwort entscheidet, wie viel Form wirklich nötig ist.
Checkliste: Was eine Vollmacht enthalten muss
- Vollständiger Name, Geburtsdatum und Adresse der vollmachtgebenden Person
- Vollständiger Name, Geburtsdatum und Adresse der bevollmächtigten Person
- Klare Bezeichnung des Umfangs: ein einzelnes Geschäft oder ein ganzer Aufgabenbereich
- Ausdrücklich genannte Ausnahmen oder Einschränkungen, falls gewünscht
- Angabe, ob Untervollmacht erlaubt ist
- Datum der Ausstellung und, falls zeitlich begrenzt, ein Enddatum
- Ort der Unterzeichnung
- Eigenhändige Unterschrift der vollmachtgebenden Person
- Bei Bank-, Handelsregister- oder Grundbuchgeschäften: vorherige Rückfrage, ob eine öffentlich beglaubigte Unterschrift verlangt wird
Widerruf einer Vollmacht
Eine Vollmacht lässt sich jederzeit beschränken oder widerrufen (Art. 34 Abs. 1 OR), und ein im Voraus erklärter Verzicht auf dieses Recht ist ungültig. Der Haken liegt woanders: Wurde die Vollmacht Dritten gegenüber bereits bekannt gemacht, wirkt der Widerruf gegenüber gutgläubigen Dritten nur, wenn diese ebenfalls darüber informiert wurden (Art. 34 Abs. 3 OR). Es reicht also nicht, das eigene Exemplar zu zerreissen – die Bank, die Behörde oder der Vertragspartner müssen aktiv benachrichtigt werden. Wurde eine Vollmachtsurkunde ausgestellt, muss die bevollmächtigte Person diese nach Erlöschen der Vollmacht zurückgeben oder gerichtlich hinterlegen (Art. 36 OR); wer das versäumt, haftet gutgläubigen Dritten gegenüber für den entstandenen Schaden. Bei Ungewissheit lohnt sich deshalb ein kurzes, schriftliches Widerrufsschreiben an alle Stellen, die die Vollmacht kannten, mit Rückforderung des Originals.
Ein Text allein macht noch keine funktionierende Vollmacht. Er muss zur Situation passen, die Grenzen klar benennen und bei der Stelle ankommen, die ihn am Ende akzeptieren soll – ob das nun eine Nachbarin, eine Bank oder eine Grenzbeamtin ist. Wer die Vorlagen oben als Ausgangspunkt nimmt und die eckigen Klammern gewissenhaft ausfüllt, hat in den meisten Alltagsfällen bereits das Wichtigste erledigt. Bei umfangreicheren Vermögenswerten, einer bevorstehenden Urteilsunfähigkeit oder einem Grundstückgeschäft lohnt sich trotzdem ein kurzes Gespräch mit einer Notarin oder einem Anwalt – die Vorlage ersetzt keine Beratung, sie erspart nur den unnötigen Download.