Geheimhaltungsvereinbarung (NDA) Schweiz: Muster und Praxis-Guide

Geheimhaltungsvereinbarung NDA

Bevor man einem potenziellen Geschäftspartner, Investor oder Freelancer sensible Informationen offenlegt, sollte eine NDA unterschrieben sein. Klingt nach Overkill? Ist es nicht — gerade in der Schweiz, wo das Geschäftsgeheimnisrecht weniger stark ist als man denkt.

Wann braucht man eine NDA?

Typische Szenarien: Investorengespräche, Due Diligence, Kooperationsanbahnung, Freelancer-Projekte mit Zugang zu internen Daten, Merger-Verhandlungen. Grundregel: Wenn Sie Informationen teilen, deren Weitergabe Ihnen schaden könnte, brauchen Sie eine NDA.

Einseitig vs. gegenseitig

ArtWer ist gebunden?Typischer Fall
EinseitigNur der EmpfängerFreelancer, Angestellte
Gegenseitig (mutual)Beide ParteienKooperationen, Joint Ventures

Zentrale Klauseln

Definition vertraulicher Informationen — So präzise wie möglich. «Alle Geschäftsinformationen» ist zu vage und schwer durchsetzbar. Besser: Kategorien benennen (Kundenlisten, Preiskalkulationen, Quellcode, Prototypen).

Laufzeit — Üblich: 2-5 Jahre. Unbefristete NDAs sind in der Schweiz zulässig, aber Gerichte neigen dazu, eine «angemessene» Frist zu unterstellen.

Ausnahmen — Standardmässig ausgenommen: bereits öffentliche Informationen, unabhängig entwickeltes Wissen, behördliche Offenlegungspflichten.

Konventionalstrafe — Vereinbaren Sie eine pauschale Vertragsstrafe (z.B. CHF 50'000 pro Verstoss). Ohne Konventionalstrafe müssen Sie den Schaden beweisen — und das ist bei Geheimnisverrat oft fast unmöglich.

Anwendbares Recht und Gerichtsstand — Bei internationalen NDAs: Schweizer Recht und Schweizer Gerichtsstand vereinbaren. Sonst landen Sie möglicherweise vor einem ausländischen Gericht.

Durchsetzbarkeit in der Schweiz

Eine NDA ist ein normaler Vertrag nach OR. Bei Verletzung kann man auf Unterlassung und Schadenersatz klagen. In der Praxis ist die Beweisführung das Problem — man muss nachweisen, DASS und WELCHE Information weitergegeben wurde. Deshalb ist die Konventionalstrafe so wichtig.

Typische Fehler

1. Zu weite Definition — Gericht reduziert auf «angemessen»
2. Keine Konventionalstrafe — Schadensbeweis fast unmöglich
3. Fehlende Rückgabepflicht — Was passiert mit Dokumenten nach Ende?
4. Kein Gerichtsstand — Bei internationalen Partnern fatal

Häufig gestellte Fragen

Ist eine NDA in der Schweiz bindend?

Ja, als normaler Vertrag nach OR voll durchsetzbar. Voraussetzung: saubere Formulierung.

Wie lange sollte eine NDA gelten?

Üblich 2-5 Jahre. Bei Geschäftsgeheimnissen auch länger zulässig.

Braucht man einen Anwalt dafür?

Für einfache Fälle reicht ein gutes Muster. Bei hohen Werten oder internationalen Partnern: ja.

Verwandt: Freelancer-Vertrag und Gesellschaftsvertrag GmbH.

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